Hochkönig der Woche: Nr. 11 (Bres mac Elathan)

Nr. 11

Bres mac Elathan (aliter mac Eladhan/mac Eladain) meic Delbaíth m. Néit m. Tait m. Tabuirn usw. (→ Z. 76 ff. auf S. 585; LGÉ § 368); aliter m. Néit m. Induí m. Alluí m. Tait m. Tabuirn usw. (LGÉ § 316, LL 1133 ff.); aliter mac Elathan meic Néit usw. (LGÉ § 335).
→ LGÉ § 310.

Im genealogischen Corpus wird ein anderer Stammbaum gegeben als im Ursprungsmythos, dort wird Bres auf die Fomoire statt auf die Tuatha Dé Danann zurückgeführt: Bres mac Elathan (aliter Elathain) meic Delbaíth m. Deigthind m. Ochtaich usw. (CGH 330); König der Tuatha Dé Danann für sieben Jahre. ob. GRSH sub A. M. 3310 (Im AFM wird sub A. M. 3310 das Ende von Bres’ Herrschaft, nicht aber explizit sein Tod vermerkt).

Der Eigenname Bres bedeutet ›Kampf‹, metaphorisch auch ›Held‹. Laut Cath Maige Tuired (→ S. 205) lautet der volle Name dieses mythischen Königs Eochu/Eochaid Bres (Stokes 1891a: 62 § 21),
wobei der Beiname bres mit cruthach ›ansehnlich, wohlgestaltet‹ erklärt wird. Eine entsprechende Stelle erscheint auch in Cóir anmann (§ 153).
In der Zweiten Schlacht von Mag Tuired ist Bres’ Vater ein König der Fomoire, nämlich Elatha mac Delbáeth. Seine Mutter ist Éri, die Tochter des Tuatha Dé Danann-Königs Delbáeth. Bres
mac Elathan wird, wie schon gesagt, König der Tuatha Dé Danann in Vertretung von Nuadu Airgetlám, nachdem dieser seinen Arm verloren hatte. Dies geschieht, um die Allianz zwischen den Fomoire und den Tuatha Dé Danann zu festigen. Bres’ Herrschaft ist jedoch nicht von Erfolg gekrönt, zudem mißbraucht er seine Macht zugunsten der Fomoire. Als Nuadu schließlich durch seine Heilung die Voraussetzungen für eine zweite Herrschaftsperiode wieder erfüllt, wird Bres mit Gewalt abgesetzt. Bres ruft seine Verwandten die Fomoire, zu Hilfe, um die Königherrschaft wieder an sich zu reißen. Dies bildet den Anlaß zur Zweiten Schlacht von Mag Tuired.
Die Erzählung erwähnt einen Sohn des Bres, nämlich Ruadán. Ruadáns Mutter ist Bríg, Tochter des Dagda (Nr. 13). Drei weitere Söhne sind Brian, Iuchar und Uar, so in den Verslehren (Thurneysen 1891: 58.5–6) und Immacallam in Dá tShuarad (LL 24602, 24605). Ihre Mutter ist Brigit (Stüber et al. (2009: 274) listen diesen Namen unter den theophoren Namen auf. Cf. ebenda S. 11), Tochter des Dagda. Die drei Brüder gelten als die drei Götzen der Tuatha Dé Danann. Anderenorts, z. B. in Lebar gabála, werden sie aber als Söhne des Delbáeth mac Ogma (Nr. 14) beschrieben, und Uar wird durch Iucharba ersetzt (→ Z. 416 und Anm. 65 auf S. 593).
In anderen Quellen, so in Lebar gabála und in der späten Version von Cath Maige Tuired (Fraser 1915–16), gehört Bres hingegen zu den Tuatha Dé Danann. Seinem Vater Elatha mac Delbaíth werden fünf Söhne zugeschrieben: Bres (Nr. 11), In Dagda (Nr. 13), Ellóit, Ogma und Delbáeth. Die ersten beiden sind zukünftige Oberherrscher. Die Oberherrschaft über Irland spielt in Cath Maige Tuired überhaupt keine Rolle. Während Cath Maige Tuired den Konflikt zwischen den Fomoire und den Tuatha Dé Danann in den Mittelpunkt stellt und ausführlich die Karriere und das Scheitern des Fomoire-Königs Bres behandelt, fokussiert Lebar gabála auf die Kontinuität der Sukzession. Diese war aber nur gegeben, wenn Bres als Tuatha Dé Danann-König interpretiert wurde. Die Vier Meister-Rezension hingegen kehrt zu den Vorgaben der Erzählung zurück, erwähnt aber auch, daß Bres bei anderen Gelehrten als Tuatha Dé Danann-Abkömmling behandelt wird (Macalister/Mac Neill 1916: 164).
Mit Bres wird die erste áer, das vernichtende Spotten der Dichter, assoziiert: Cen cholt for crib cernene (›Ohne Essen hurtig auf einer Schale …‹). Der Vierzeiler ist mehrfach belegt. Als Zitat erscheint er im mittelirischen Kommentar zu Amra Coluim Cille (LU 559–65, Stokes 1899: 158) und in Glossaren (Corm. § 294, O’Dav. § 372).
In Narrativa erscheint er ebenfalls, so in einem Text in YBL (col. 137–38) und H.3.17 (cols 840–41). Dort wird berichtet, daß die Männer Irlands mit Bres wegen dessen ausgesprochenen Geizes unzufrieden waren. Als einst Cairpre mac Édaíne, ein Dichter der Tuatha Dé Danann, ungastlich behandelt wird, belegt er den König mit der genannten áer (Text: Hull 1930). Ausführlich wird diese Episode in Cath Maige Tuired ocus genemain Bres mac Elathain (→ S. 205) behandelt.
In Zusammenhang mit der Schlacht von Mag Tuired wird in Auraicept na nÉces (→ S. 403) ein besonderes Ogam-Alphabet genannt, das als Ogam ro.mesc Bres (›Das Ogam, das Bres verwirrte‹) bezeichnet wird. Es sei Bres untersagt gewesen, (daran?) vorbeizugehen, ohne es zu lesen. Auf dem Weg zur Schlacht wird es ihm zugespielt, so daß er es zu spät liest und die Schlacht verliert (Auraic. 5943–57).

Bezüglich Bres’ Ende gibt es drei sich widersprechende Varianten, eine gewaltfreie und zwei gewaltsame Todesarten. Die Vielfalt ist vermutlich durch die Doppelung von Bres als Fomoire-
und als Tuatha Dé Danann-König entstanden. Bei der einen Todesart ist die Ursache ein giftiges oder zumindest unbekömmliches Getränk. Die Réim rígraide-Fassungen schildern die Todesarten uneinheitlich: Mín und Rez³ geben in der Prosa gar keine Informationen zu Bres’ Ende. Rez² gibt hingegen an, daß Bres durch Zauberei des Lug (Nr.12) in Carn Uí Néit, einem der südlichsten Punkte Irlands, gestorben sei (LGÉ § 329). Diese Todesart erscheint z.B. auch in Str. 25 von Éitsid a eolchu cen on (LGÉ IV 228; hier basierend auf LL 1348–51):

At.bath Bress i Carn hU[í]
do cheilg Loga cen lán-bréic
ropo domna trota trá
ól rota i rricht ind lomma.

Néit Bres starb in Carn Uí Néit,
durch Lugs List ohne umfassenden Betrug:
Es war wahrlich ein Grund für einen (Todes-)Kampf,
irrtümlich Moorwasser für Milch zu trinken!

Die letzte Verszeile kehrt in LL (5385–86) im unvollständigen Text zu den Besiedlungen Irlands seit der Sintflut wieder, der auf S. 72 besprochen wurde. Weitaus ausführlicher werden die Todesumstände im Dinnshenchas zu Carn hUí Néit dargestellt: Bres verlangt ungebührliche Mengen an Milch eines bestimmten einfarbigen Typs von Milchkuh. Auf Lugs Rat hin werden künstliche Kühe aus Holz geschaffen und Moorwasser aus ihren Eutern „gemolken“. Bres wird krank davon. Auf der Suche nach Heilung stirbt er schließlich in Carn Uí Néit, wo er auch begraben liegen soll.

Die Rez4 M-Version von Lebar gabála führt Bres’ Stammbaum auf die Fomoire zurück, erwähnt aber auch die abweichende Ansicht. Wie in Rez² stirbt Bres in Carn Uí Néit, und zwar dia n-eisibh an ruadh-rodha a rriocht (Bei Macalister/Mac Neill (1916: 164) findet sich „airiocht“, weil der Doppelschaft des r mißinterpretiert wurde. (Dieser häufiger anzutreffende Lesefehler wird auf S. 576 thematisiert.) Die von Macalister/Mac Neill (1916) auf S. 165 gegebene Übersetzung „in the form of a great draught“ ist dementsprechend falsch.) an loma ›nachdem er das rote Moorwasser irrtümlich statt Milch getrunken hatte‹.

Eine Variante der gewaltfreien Todesart wird auch am Schluß der Erzählung über die sog. Erste Schlacht von Mag Tuired erzählt. Danach hätten die Tuatha Dé Danann Bres zu ihrem König gewählt. Nach sieben Jahren Oberherrschaft sei er in den Bergen (Sliab Gam) bei der Jagd gestorben, nachdem er ein Getränk zu sich genommen hatte (Fraser 1915–16: 58.1–4). Dadurch habe er denWeg frei gemacht für die zweite Herrschaftsperiode des Nuadu Airgetlám (Nr. 10) nach dessen Genesung.
In der Erzählung über die sog. Erste Schlacht von Mag Tuired stirbt Bres hingegen eines gewaltsamen Todes. Er fällt durch den Fir Bolg-König Eochaid mac Eirc (K9) in der Schlacht. Sein Tod sei von seinen Brüdern —dem Dagda, Ogma, Alla (= Ellóit) und Delbáeth— gerächt worden (Fraser 1915–16: 46 § 49).
Gemäß einer anderen Tradition fällt Bres erst in der sog. Zweiten Schlacht von Mag Tuired durch Lug mac Ethlenn (Nr. 12). Allerdings kennt nur die jüngere Version von Cath Maige Tuired dieses Ende (Ó Cuív 1945: 50.1170–73). Auch Rez¹ kolportiert diese Todesvariante, allerdings nur in der Prosa. Dort wird eher beiläufig erwähnt, daß Bres zu den Opfern der Schlacht zählt (LGÉ § 312, LL 1098–99). Diese Aussage widerspricht allerdings u. a. dem in Rez1 eingebundenen Gedicht Éitsid a eolchu cen on. Die relevante Str. wurde bereits zitiert (S. 208). Tatsächlich zeigt die ältere Version der Schlachtenerzählung einen komplett anderen Verlauf: Bres wird von Lug verschont. Er erkauft sich sein Leben, indem er die Tuatha Dé Danann im Pflügen, Säen und Ernten unterweist.

H e r r s c h a f t s d a u e r: 7 Jahre (Réim rígraide, GRSH usw.).

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 206–208)

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Hochkönig der Woche: Nr. 10 (Nuadu Airgetlám)

Nr. 10

Nuadu Airgetlám mac Echtach meic Etarláim m. Ordaim m. Allduí m. Thait m. Thabuirn; König der Tuatha Dé Danann; ob. AFM A.M. 3330.
LGÉ → § 310.

cat_hemprich_titel_1Der Eigenname Nuadu leitet sich möglicherweise von dem britisch-romanischen Götternamen Nodons ab (cf. Carey 1984). Der Beiname airget-lám ›Silberarm‹ hingegen ist ein Kompositum aus airget ›Silber‹ und lám ›Arm, Hand‹. Daß diese Interpretation vermutlich nicht die ursprüngliche Bedeutung ist, darauf weist Stefan Zimmer (2002) hin. Wie es zu diesem Beinamen gekommen sein soll, erzählen Cath Maige Tuired (hierzu etwas weiter unten) und Cóir anmann (§ 154): Nuadu wurde in der Ersten Schlacht von Mag Tuired von Sreng mac Sengainn der Arm abgeschlagen. Daraufhin hätten Nuadus Ärzte das verlorene Gliedmaß durch eine Prothese aus Silber ersetzt.
Die Tuatha Dé Danann sind die nächsten Eroberer Irlands. Ihr Name soll auf die drei Söhne des Tuirill Bicreo (oder alternativ auf die des Bres mac Elathan) zurückgehen, die als Gottheiten bezeichnet werden: Batar iat na trí déi Donand (Carey 1992: 28 § 12 Õ S. 207 & 213). Die Tuatha Dé Danann bringen insgesamt neun ríg Érenn hervor, die insgesamt 197 Jahre (GRSH: 14) oder 198 Jahre (→ S. 759: Str. 2) über Irland geherrscht haben sollen. Nur eine einzige Textstelle spricht von dreizehn Oberherrschern (→ S. 191 und 216).

Lebar gabála (Rez², Rez³) sowie eine kurze Erzählung in YBL (col. 907) und BB (pag. 266a33–b10) berichtet von den Pretiosen der Tuatha Dé Danann, welche diese nach Irland mitgebracht haben sollen. Die Angaben beider Versionen unterscheiden sich darin, welcher Gegenstand von welchem Magier stammt. Hier die Angaben nach der Version von YBL/BB:

Te x t  &  Ü b e r s . : Hull (1930a).

N u a d u (Nr. 10) besitzt ein Schwert des Magiers Esrus aus Gorias, das ihn unbesiegbar macht. Damit verwundet, kann keiner überleben.
L u g (Nr. 12) besitzt einen Speer des Magiers Uscias aus Findias, der seinen Träger in der Schlacht unbezwingbar macht.
D e r  D a g d a (Nr. 13) hat einen Kessel des Magiers Semiath aus Murias, der jede noch so große Versammlung mit Nahrung versorgen kann.

Zudem brachten die Tuatha Dé Danann den L i a F á i l von Mórfhessa aus Fáilias nach Irland mit. Es heißt, daß dieser magische Stein aufschrie, sobald ihn ein zukünftiger rí Érenn betrat. Er befand sich später in Temair. Von ihm leitet sich einer der poetischen Namen für Irland ab: Inis Fáil (cf. FFÉ I 206.52–65). In einer Sammlung irischer Mirabilia, Do ingantaib Érenn (›Von den Wundern Irlands‹), wird In Lia Fáil als eines der d r e i Wunder von Temair genannt (Todd 1848: 200–201), im späten Text Acallam na senórach ist er einer der z w e i Wunder von Temair (Acall. 7992–93). In mehreren frühen Erzählungen um irische Oberherrscher spielt der Stein eine Rolle (→ S. 238, 303, 327. Mehr zum Lia Fáil auf S. 145).

Laut Leabhar na nGenealach gelangte der Stein schließlich nach Schottland, wo er bis 829 verblieb. Danach sei er nach England transportiert und wurde in derWestminster Abbey aufgestellt worden, wo er erstmals wieder beim Krönungsritual von James VI. im Jahr 1603 gedient habe (GBIG § 420.3–5). Dies ist freilich nur eine von mehreren Legenden über den Verbleib des Lia Fáil.
Von weiteren magischen Gegenständen, welche die Eignung eines Kandidaten zum rí Érenn enthüllen, wird in De Shíl Chonaire Móir berichtet (hg. und übers. Gwynn 1912; cf. Carey 2005: 36 ff.). Sie haben jedoch keine vergleichbare Bedeutung in der Literatur erfahren.

Bei Céitinn, der dieselbe Geschichte erzählt (FFÉ I 204.39 ff.), variieren die Namen der Magier: Eurus, Arias, Semias und Morias. Von den genannten Gegenständen berichtet auch das Gedicht Tuath Dé Danann na sed soim (›Die Tuatha Dé Danann der reichen Schätze …‹) (LGÉ IV 248–51: Poem LXII).
Die Geschichte des Steins Lia Fáil findet sich auch in Baile in Scáil (→ S. 145), Lebar gabála (LGÉ §§ 309, 326) und gegen Ende von Acallam na senórach, wo dem Stein noch weitere magische Fähigkeiten zugeschrieben werden (SG I 233, SG II 264–65).

Nuadu hat vier Söhne: Tadg Mór (Er bekommt später Eithne, Tochter des Balor und Mutter des Lug mac Ethnend (Nr. 12), zur Frau, wodurch Lug über die Nachkommen dieser Verbindung zu manchen der späteren fianna-Helden in verwandschaftlicher Beziehung steht. So ist deren erstes Kind, Muirn, die zukünftige Mutter des Finn mac Cumaill.), Caither (< Cath-fher), Cucharn und Etarlám, den Dichter.
Dreißig Jahre nach Genann (Nr. 4) und Rudraige mac Dela (Nr. 2) sollen die Tuatha Dé Danann nach Irland gekommen sein (LL 1047–48). Die Fir Bolg hätten zu diesem Zeitpunkt eine Allianz mit den Fomoire gebildet (Zu den frühen theologischen Vorstellungen über die Fomoire gibt Rodway (2010) wichtige Hinweise) .

Zwei wichtige Schlachten werden den Tuatha Dé Danann zugeschrieben, beide sind mit dem Ortsnamen Mag Tuired verknüpft, der freilich zwei verschiedene Orte bezeichnet. Die Schlachten werden als die Erste und Zweite Schlacht von Mag Tuired unterschieden, Cét-cath Maige Tuired (LGÉ § 307) und Cath dédenach Maige Tuired (Wörtl. ›Die letzte Schlacht von Mag Tuired‹) (LGÉ § 312). Zuweilen wird die erste Schlacht auch nach dem Ort der Ereignisse benannt: Cath Maige Tuired Conga oder Cath Chunga (LGÉ IV S. 62.1654, Cóir anmann § 154, Fraser 1915–16: 58.5). Gemeint ist Conga (engl. Cong in Co. Mayo) in Connachta. Hierzu gehört auch die Benennung Cath Mhuighe Tuiredh Conga i Conmaicne Chuile Toladh Conacht in Rez 4M (Macalister/Mac Neill 1916: 148.7–8) und Cath mór Maige Tuired i Conmaicnib i Cuile Tolad in Rez². Die zweite Schlacht erscheint auch unter der Bezeichnung Cath Maige Tuired na Fomorach (›Die Schlacht von Mag Tuired der Fomoire‹). Gemeint ist hier Mag Tuired in Tír Ailella (LGÉ § 376). Zwischen beiden Schlachten liegen 27 Jahre (LGÉ § 312).
Die erste Schlacht von Mag Tuired richtete sich gegen die Fir Bolg und führte zur Machtübernahme durch die Tuatha Dé Danann. Außer verbreiteten Anspielungen und Episoden, die sich in Lebar gabála und im Dinnshenchas finden, ist nur eine fragmentarisch enthaltenen, jung anmutende Erzählung (nach dem 14. Jh.) erhalten.

Te x t : Ó Cuív (1950) [neuirische Version von A33].
Te x t  &  Ü b e r s . : Fraser (1915–16) [von H.2.17].

Die Ereignisse der Zweiten Schlacht von Mag Tuired werden in der Erzählung Cath Maige Tuired ocus genemain Bres mac Elathain ocus a ríge (›Die Schlacht von Mag Tuired und die Geburt von Bres, Sohn des Elathan, und seine Königsherrschaft‹) behandelt. Der erste Teil erzählt von Bres, seiner Herrschaft und seiner Absetzung als König: Bres erhält die Herrschaft in Vertretung von Nuadu, als dieser aufgrund seiner Versehrtheit (Verlust des Arms) sein Amt nicht mehr ausführen kann. Dian Cécht, König und Heiler der Tuatha Dé Danann, erschafft für Nuadu Airgetlám ›Silberarm‹ einen beweglichen Arm aus Silber. So kann Nuadu die Herrschaft wieder übernehmen. Dies berichtet auch die Réim rígraide (→ Z. 335 und 344 auf S. 591) sowie Cóir anmann (§ 154). Die Absetzung von Bres bildet den Anlaß zur Schlacht von Mag Tuired: Bres ruft die Fomoire zur Hilfe, um seine wieder an Nuadu verlorene Macht zurückzubekommen.
Cath Maige Tuired ocus genemain Bres liegt als mittelirische Bearbeitung eines ursprünglich altirischen Textes vielleicht aus dem 9. Jh. (so Murphy 1955: 195) vor. Der Text ist nur in Harl. 5280, einer Handschrift aus dem 16. Jh., überliefert. Anspielungen in Sanas Cormaic (→ S. 158), dessen Kompilation traditionell ins 9. Jh. gelegt wird, stützen eine frühe Datierung der Erzählung. Die ersten dreizehn Paragraphen von Cath Maige Tuired werden in Lebar gabála (Rez1) nacherzählt.

Te x t : Ó Cuív (1954) [17 Jh. Fragm. in H.4.25], Stokes (1891) — die in dieser Edition verbliebenen Lücken wurden von Thurneysen (1918c: 401–06) ergänzt —, Ó Cuív (1945) [jüngere Fassung], Gray
(1982).
Ü b e r s e t z u n g : Lehmacher (1931), Borsje (2012: 235–68) [verbesserte und modernisierte Übersetzung basierend auf Stokes (1891)].
S t u d i e n ( Au s w a h l ) : Murphy (1953–55), Murphy (1955: 19–24), Ó Cuív (1959), Gray (1980–81), Gray (1982–83),ÓCathasaigh (1983), Sayers (1987), Mc Cone (1989), Carey (1989–90), Borsje (2012).

Oidheadh Chloinne Tuireann (›Der gewaltsame Tod der Kinder des Tuirenn‹) ist eine romantische Erzählung, die auf Cath Maige Tuired aufbaut. Sie behandelt u. a. den Verlust von Nuadus Arms und dessen Ersatz durch Dian Cécht. Auch die Geschichte um Lug (Nr. 12) und die Söhne des Tuirenn (oder Tuirill → S. 210), die für den Tod von Lugs Vater verantwortlich sind, wird wiedererzählt, die mit dem Tod der Söhne des Tuirenn und dem von Tuirenn selbst endet. Der Text ist erst spät entstanden und nicht vor dem 18. Jh. belegt.

Te x t : Ua Ceallaigh (1927: 5–41).
Te x t  &  Ü b e r s . : O’Curry (1863: 158–227) [Nachdruck in Gaelic Journal 2, S. 33 ff.], O’Duffy (1888).
Ü b e r s e t z u n g : Cross/Slover (1937: 49–81), Guyonvarc’h (1964–65).
S t u d i e n : Macalister (1927), Gray (1989–90: 38–52).

Oidheadh Chloinne Tuireann ist auch als Teil einer Trilogie, nämlich Trí truaighe na scéalaidheachta (›Die drei Bedauernswerten der Erzählkunst‹) überliefert, zusammen mit Oidheadh Chloinne hUisneach und Oidheadh Chloinne Lir.
In einer genealogischen Notiz in H.3.17 (pag. 753) wird ein „Nuadu Airgetlám“ als Stammvater der Könige aus der nördlichen Hälfte Irlands (Leth Cuinn) und der Könige von Caisel genannt (übers. und besprochen in Mac Neill 1921: 52–55). Wer genau damit gemeint ist, ist unklar. Der prähistorische Lagin-König Nuadu Fullón (k121) trägt zwar ebenfalls den Beinamen Airgetlám, hat aber im mittelalterlichen Konstrukt der Genealogien über die Lagin hinaus keine größere Bedeutung. Plausibler ist eine Erwägung eines Gelehrten, enthalten in BB, daß es sich bei diesem Stammvater um → Irial Fáith (Nr. 28) handele. Tatsächlich wird Írial Fáith in mehreren Quellen (z.B. Cóir anmann § 79) der Name „Nuadu Airgetlám“ zugeschrieben, vermutlich als Versuch, die widersprüchlichen Quellen in Einklang zu bringen (→ S. 222).
Nuadu Airgetlám stirbt durch Balor Balc-béimnech ›mächtige Schläge austeilend‹, der auch ? den Beinamen Birug-derg ›mit dem durchbohrenden Auge‹ trägt, in der Zweiten Schlacht von Mag Tuired (§ 312, LL 5384; Str. 7 von Éitsid a eolchu cen on (›Hört, ihr Weisen ohne Sorge …‹) [LGÉ IV, 228]). Er liegt in Cruachu begraben (laut Aided Nath Í : LU S. 92 Anm. a, Str. 2b Õ S. 183).

H e r r s c h a f t s d a u e r: 7 Jahre bis zur Ersten Schlacht von Mag Tuired und nach Bres’ Absetzung weitere 20 Jahre (Laud-Synchr., GRSH usw.) oder 30 Jahre (FFÉ). Jedoch notieren nicht alle Quellen die erste Herrschaftsperiode, von der alle Lebar gabála-Rezensionen sagen, sie betreffe die Zeit v o r  er Ankunft der Tuatha Dé Danann in Irland. Diese darf daher auch nicht seiner Herrschaft als rí Érenn zugerechnet werden.

 (Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 204–206)

 

 

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Hochkönig der Woche: Nr. 9 (Eochu / Eochaid mac Eirc)

Nr. 9

Eochu / Eochaid mac Eirc meic Rinnail meic Genainn (aliter Eochu Garb mac Duach); König der § 280 Fir Bolg; ob. AFM A.M. 3303.
LL (5381) gibt einen abweichenden Stammbaum: mac Eirc meic Rinnail meic Sengaind meic Dela meic Ba Druí.

Der Eigenname Eochu, später Eocha, ist vermutlich eine ursprünglich hypokoristische Bildung zu ech ›Pferd‹ […] und bedeutete vielleicht ungefähr ›ein vom Pferd aus Kämpfender‹ (cf. Mac Néill 1929–30: 115, Bergin 1932: 140). Der Beiname des Königs, garb, bedeutet ›rauh, grimmig, garstig‹. Er tritt bei diesem König freilich nur selten auf. Die Formen Eochu und Eochaid werden im Mittelirischen in der Regel nicht mehr auseinandergehalten. Sie werden als bloße Varianten verstanden und sind daher austauschbar geworden (Bergin 1932: 140–46, Bannerman 1968). Das bestätigt die Vorgehensweise im mittelirischen Gedicht Cuibdes com-anmand na ríg über die Häufigkeit der Eigennamen von Réim rígraide, das Gilla Mo Dutu (12. Jh.) zugeschrieben wird. Dort wird in Str. 47 ausdrücklich gesagt, daß „Eochu“ unter „Eochaid“ subsumiert wird. Dieselbe Behandlung erfahren „Lug“ und „Lugaid“ (Õ S. 241).
Eochu mac Eirc wird als erfolgreicher König geschildert, den angenehmes Wetter und sichere Ernten begleiteten. Ihm wird die Einführung eines geregelten Rechtswesens zugeschrieben. In einem mittelirischen Gedicht in Lebar gabála wird er beschrieben mit ferr cach ríg acht Críst cáid (LL 947) ›besser als jeder König außer dem heiligen Christus‹.

Eochu Garb mac Eirc ist der Ehemann der Tailtiu, Tochter des Königs von Spanien, Magmór. Laut Réim rígraide und dem Prosa-Dinnshenchas zu Tailtiu (→ Text auf S. 592 in Anm. 61) habe der König auf ihr Bitten hin Caill Cuain, den Wald von Cuan gerodet, um Platz für ihren zukünftigen Grabhügel zu schaffen. Die dabei entstandene Ebene wurde später für die alljährliche Versammlung von Tailtiu genutzt. Darauf spielt auch das Banshenchas an (LL 16549–52).
Das Prosa-Dinnshenchas zu Nás weist hierzu interessante Abweichungen auf. In beiden Dinnshenchas-Texten heißt der Ehemann der Tailtiu Eochu Garb mac Duach (Teimin), der im zweiten Text ausdrücklich als rí Érenn bezeichnet wird. Dieser Eochu Garb gehört jedoch im Lebar gabála zu den Tuatha Dé Danann: mac Duí Temen meic Breis meic Elathain m. Delbaíth meic Néit (cf. LGÉ 339). In Rez³ holt Eochu mac Eirc seine Frau Tailtiu aus Spanien von ihrem Vater Magmór, jedoch ist es eine andere Figur, mit der sie schläft: Eochu Garb mac Duach. Das Prosa-Dinnshenchas klärt die Verhältnisse insofern, daß Tailtiu zunächst mit Eochu mac Eirc (Nr. 9) und erst nach dessen Tod mit Eochu Garb mac Duach Teimin verheiratet gewesen sein soll.

Eochu mac Eirc stirbt durch Cessorb/Cessarb, Luam und Luachra, die drei Söhne des Nemed mac ba Druí in der sog. Ersten Schlacht von Mag Tuired (siehe nächster Eintrag). Laut Lebar gabála ist Eochu der Erste auf irischem Boden, der durch eine Waffe umkommt: conid sé cétna fer a rro·gáet do rind i ndÉrind ar tús (denn die Tuatha Dé Danann eroberten Irland mit dem Speer in der Hand). Danach sollen die Fir Bolg aber noch für Jahrhunderte in Irland gelebt haben (cf. z. B. GBIG § 46.1).

H e r r s c h a f t s d a u e r: 10 Jahre (Réim rígraide, GRSH usw.).

Ein Rätsel gibt das Gedicht Duan in chethrachat cest auf, das ›Gedicht der vierzig Fragen‹ (→ S. 191). Dort wird in Str. 11 nach jenem König der Fir Bolg über Irland gefragt, der die Schlacht von Mag Tuired gegen die Tuatha Dé Danann geschlagen habe. In einer Glosse wird dann behauptet, daß Triath mac Amuir der Name des neunten und angeblich letzten Königs der Fir Bolg sei: .i. Triath mac Amuir in rí déidenoch do Feruib Bolg in nómad rí díb. is hé tuc cath Maighe Tuiread do Thuathaib Dé Danonn. Der Eigenname ist wohl zu triath ›Oberhaupt, König‹ zu stellen. Es ist kein
gewöhnlicher Eigenname. Ob dieser „Triath“ hier lediglich als Alias für Eochu mac Eirc (Nr. 9) zu verstehen ist, kann aufgrund fehlender weiterer Belege nicht entschieden werden.

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 203–4)

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Hochkönig der Woche: Nr. 8 (Fodbgenid mac Sengainn)

Nr. 8

Fodbgenid (aliter Fidgen/Foidgen: LL 5378–79; Foidbgen: GRSH; Fobgein: Z. 2118) mac Sengainn § 280 meic Dela; König der Fir Bolg; ob. AFM A.M. 3293.

Der Name Fodbgenid wird mit fodb/odb ›Knoten [im Baum], Knollen‹ in Verbindung gebracht: Vor seiner Zeit seien Bäume in Irland noch gerade und nicht knotig/knorrig gewesen (Cóir anmann § 267). Andere Namensformen sind Odbgen (LL 919), Odbgenid (LL 884), Fidgein (zu fid ›Baum, Bäume‹?) und Foidgen (LL 5378–79). Das Kompositionshinterglied ist gein, der in Namen häufig anzutreffende poetische Ausdruck für ›Person‹. Cóir anmann (§ 267) behauptet, Fodbgenid habe zunächst Eochaid geheißen.

Der Vater des Fodbgenid ist der Oberherrscher Sengann mac Dela (Nr. 5).
Fodbgenid stirbt durch seinen Nachfolger Eochu mac Eirc (Nr. 9) in Mag Muirthemne (LL 5379, usw.). Rez² präzisiert i ndebaig Craíbe ›im Kampf von Cráeb‹.

H e r r s c h a f t s d a u e r: 4 Jahre (Réim rígraide, GRSH usw.).

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 203)

 

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Hochkönig der Woche: Nr. 7 (Rinnal / Rindal mac Genainn)

Nr. 7

Rinnal / Rindal mac Genainn meic Dela meic Loith; König der Fir Bolg; ob. AFM A.M. 3289.
→ LGÉ § 280

LL (5381) gibt einen abweichenden Stammbaum: m. Sengaind meic Dela meic Ba Druí.
Cóir anmann (§ 268) erklärt den Namen als Kompositum aus rinn ›Spitze‹ und ail (vielleicht ›Waffe‹): Vor Rinnals Zeit seien Speere reine Holzspieße gewesen. Rinnal habe als erster (Metall-) Spitzen daran angebracht. Ähnlich das Glossar Discreptio de origine Scoticae linguae,wo aber ail mit tinnscna ›Beginnen‹ gleichgesetzt wird (DOSL § 175). Vermutlich aber ist der Eigenname Rinnal nur eine suffixale Weiterbildung zu rind ›Spitze‹.

Der Vater des Rinnal ist der Oberherrscher Genann mac Dela (Nr. 4). Als Sohn gilt Eochu mac Eirc, ein zukünftiger Oberherrscher (Nr. 9).
Das Dinnhsenchas zu Loch nOirbsen erwähnt einen gewissen Rinnal Ruad mac Dela meic Loith, mit dem der hier behandelte Rinnal zu identifizieren sein könnte, auch wenn Genann als Vater dort ausgelassen ist. Rinnal stirbt durch seinen Nachfolger Fodbgenid (Nr. 8) in Eba Cairpri, oder in Cráeb laut Rez². ?

H e r r s c h a f t s d a u e r: 4 Jahre (AClon), 5 Jahre (AFM), 6 Jahre (Réim rígraide, Laud-Synchr., Ériu ard inis na ríg, FFÉ, GRSH).

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 202–3)

 

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Hochkönig der Woche: Nr. 6 (Fiacha Cendfhinnán)

Nr. 6

Fiacha Cendfhinnán (aliter Cennannán: LL 5377) mac Stáirn meic Rudraige; König der Fir Bolg; § 280 ob. AFM A. M. 3283.

Sein Beiname cend-fhinnán ›kleiner Blondschopf‹ wird damit erklärt, daß alle Kühe zu seiner Herrschaft weißköpfig gewesen seien (LL 5376 in marg., Rez¹). Bei Céitinn sind es hingegen die Leute von Irland selbst, die weiße (= blonde) Köpfe gehabt hatten (FFÉ I S. 196.15–17).

Fiacha Cendfhinnán stirbt durch Rinnal (Nr. 7), seinen Nachfolger. ?

H e r r s c h a f t s d a u e r: 5 Jahre (Réim rígraide, Laud-Synchr., GRSH, AFM, AClon, FFÉ), 6 Jahre (Ériu ard inis na ríg).

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 202)

 

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Hochkönig der Woche: Nr. 5 (Sengann mac Dela)

Nr. 5

Sengann mac Dela, König der Fir Bolg; ob. AFM A.M. 3278.
→ LGÉ § 280.

Laut Réim rígraide und dem Dinnsenchas zu Cnucha ist Anust die Frau des Sengann. Im metr. Banshenchas heißt sie Libist, im Prosa Banshenchas Anuist.
Senganns Sohn Rinnal ist ein zukünftiger Oberherrscher (Nr. 7). Ein weiterer Sohn ist Ocha, der erste Zeuge Irlands (LL 4995–58; Breatnach 2005: 247).
Sengann stirbt durch seinen Nachfolger, Fiacha Cendfhinnán (Nr. 6). ?

H e r r s c h a f t s d a u e r: 5 Jahre (Réim rígraide, GRSH usw.).

(Gisbert Hemprich: Rí Érenn – »König von Irland« – Fiktion und Wirklichkeit, S. 202)

 

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